Gabi Loock

Manchmal braucht es Krisenzeiten, um in seinem Leben etwas zu verändern. Meine Krisenzeit begann Ende der 90er. Ich brauchte ein Ventil, und dieses Ventil war für mich das Schreiben. Abends, wenn die Töchter schliefen oder ausgegangen waren, schrieb ich Kurzgeschichten und Gedichte. Zu dieser Zeit dachte ich noch nicht an eine Veröffentlichung, aber dann ereignete sich zweierlei. Der Regisseur der Theatergruppe, in der ich spielte, wollte, dass ich die Rolle der Winnie in dem Stück „Glückliche Tage“ von Samuel Beckett übernahm. Ich las es und kam zu dem Schluss: So niemals! Da hätte ich mir ja die Seele aus dem Leib spielen können, kein Mensch würde dieses Stück verstehen. Also bot ich dem Regisseur an: „Schreib das Stück so um, dass es verständlicher wird. Dann mache ich es.“ Er wollte das nicht. „Gut“, dachte ich, „dann eben nicht!“ Gleichzeitig merkte ich, dass die Gedichte und Geschichten, die ich in den vergangenen Wochen und Monaten geschrieben hatte, Teile eines Ganzen waren. Und plötzlich wusste ich, dass ich die noch fehlenden Teile suchen und finden und zu einem Ganzen zusammenfügen würde. Die „Königskinder“ waren geboren. Ein Soloprogramm in Gedichten, Geschichten und Chansons.

Klebestreifen

Das wilde, weite Meer

Das wilde, weite Meer, ein Leben lang gefangen

und per Gesetz zu ruhiger See verdammt,

bäumt sich nun auf in rasendem Verlangen

nach Lebenslust mit unstillbarer Gier.

Die meterhohen Wellen schleudern meine Sinne

mit Urgewalt auf tiefsten Meeresgrund,

um dann erneut ihr Machtspiel zu beginnen,

das mir beinahe das Bewusstsein raubt.

Doch käm nun einer, spräche ruhig die See,

wie wohl geschehen vor fast zweitausend Jahren,

würd ich ihm sagen: „Bitte, bitte geh!

Wie soll ich sonst den Sinn des Spiels erfahren?“